Farbunterschiede Screen und Print

Farbe auf Papier oder am Monitor: Farbwirkungen im Unterschied zwischen Screen-Design und Print-Design

Manchmal scheint es, als stünden Print-Design und Web-Design unverrückbar nebeneinander und hätten nichts miteinander zu tun.

Manchmal scheint es, als stünden Print-Design und Web-Design unverrückbar nebeneinander und hätten nichts miteinander zu tun. Immer noch findet man zum Beispiel den Umstand vor, dass grundlegende Designparameter, die für die Drucksachen eines Auftraggebers gelten, im Web-Design uminterpretiert oder abgewandelt werden. Aber das, was selbst bei aller durchgehenden Corporate-Design-Orientierung eine permanente Aufgabenstellung bleibt, ist die unterschiedliche Farbwirkung zwischen Drucksache und Monitordarstellung.

Wie stelle ich sicher, dass ich den optimalen Farbraum für mein Foto am Bildschirm verwende, der die Konvertierung vom RGB-Bildschirm-Farbraum zum Print-Farbraum CMYK möglichst optimiert? Im Video, in dem es um den Einsatz von Farbprofilen geht, ist das zu sehen.

Print und Web: Bedrucktes Papier und Monitordarstellung

Dabei ist die Dominanz von Monitoren – ob zuhause, im Büro oder unterwegs und auch mittels Projektionen und Beamleinwänden im öffentlichen Raum – immer größer geworden. Eine Drucksache ist auch nicht interaktiv oder multimedial, so wirkt die Interaktion zwischen dem Betrachter und seiner Drucksache fast schon eindimensional und am Monitor durch das bewegte Bild zunehmend mehrdimensional. Dafür ist das bewegte Bild flüchtiger und das, was man sehen will, manchmal schwer zu finden – trotz Suchmaschine. Das Ausgabemedium für das, was man ansehen will, bleibt jedenfalls in der elektronischen Welt der Monitor und in der Printwelt Papier, Karton oder im Falle von Siebdruck auch viele andere Materialien, die alle die Wirkung der Farbe verändern.

Einfluss der Papierqualität auf die Farbwirkungen

Dem Laien zeigen allein schon das Vorhandensein von vier unterschiedlichen HKS-Fächern, dass normierte Farbigkeit abhängig vom Trägermedium ist, dem Bedruckstoff Papier:

  • „HKS K“ ist der Farbfächer für Kunstdruckpapier
  • „HKS N“ ist der Farbfächer für Naturpapier
  • „HKS Z“ ist der Farbfächer für Zeitungspapier
  • „HKS E“ ist der Farbfächer für Endlospapier

Das sind vier Gattungspapiere mit unterschiedlichen Oberflächen und zum Teil Eigen-Färbungen. Kunstdruckpapier hat eine sehr glatte Oberfläche, Naturpapier eine raue, Zeitungspapier und Endlospapier haben ebenfalls eine angeraute Oberfläche und eine mehr oder weniger starke Kontrast mindernde Färbung ins Gräuliche oder Gelbliche. Endlospapier gibt es auch in herkömmlichem Schreibmaschinenpapier-Weiß.

Adobe Photoshop Farbfelder

 

In Adobe Photoshop werden für die genannten HKS-Vollton-Druckfarben unterschiedliche Farbfelder angezeigt. Die „Process“-Varianten wandeln die Volltonfarben direkt in Vierfarb-Farben (in CMYK) um, was aber bei manchen Farben nur annäherungsweise geschehen kann. Auch die vielen Pantone-Farbfamilien sind enthalten. „Coated“ bedeutet dabei „gestrichenes Papier“ und „uncoated“ „ungestrichenes Papier“.

Glänzend, matt, gestrichen, lackiert: Papieroberflächen verändern Farben

Welchen Einfluss die Wahl des Papieres auf die Farbe haben kann, sieht man daran, dass HKS, das seine Fächer traditionell auf dem Kunstdruckpapier Phoeno Grand 115g/m² der Papierfabrik Scheufelen gedruckt hatte, auf das Bilderdruckpapier Praxiprint 115g/m² umgestiegen ist, weil dem Trend der Zeit folgend die meisten Druckaufträge auf glänzendem Bilderdruckpapier produziert werden. HKS sah sich deshalb zu folgendem Hinweis veranlasst: „Aufgrund der geänderten Papiereigenschaften kann u. U. bei einigen Originalfarbtönen ein visueller Farbtonunterschied im Vergleich zu früheren Fächereditionen wahrgenommen werden.“
Farbe wirkt auf mattem oder glänzendem Papier unterschiedlich, deshalb ist es wichtig, die speziell auf das Papier zugeschnittenen Farben einzusetzen, um eine Einheitlichkeit der Farbwirkung zum Beispiel auf glänzendem und auf mattem Papier zu erzielen. Auch eine Lackierung hat einen Einfluss auf die Farbwirkung. All dies zeigt: Die Farbwirkung hängt von vielem ab, nicht nur vom Bedruckstoff auch von der Wellenlänge des Lichtes, denn immerhin ist Farbe selbst nichts anderes als reflektiertes Licht im Wellenlängenbereich zwischen 380 nm und 780nm.
In Druckereien und grafischen Betrieben wird Normlicht verwendet, das von der Wellenlänge her dem Tageslicht entspricht. Wenn eine Werbeagentur oder ein Designer einen Andruck bei sich beurteilen und vergleichen will, sollte er dies ebenfalls unter Einsatz von Norm-Tageslicht tun. Sonst läuft er Gefahr, dass das Ergebnis durch die Färbung der Leuchtmittel beeinflusst wird.

 

Farbräume im Photoshop

 

Bevor man mit der Arbeit in Adobe Photoshop beginnt, legt man den Farbmodus fest. Man entscheidet hier, ob man für das Web arbeiten will, indem man „RGB“ anwählt oder für Print, dann wählt man „CMYK“ aus. Der Lab-Farbraum ist geräteunabhängig und übergreifend und stellt alle wahrnehmbaren Farben dar.

Vom Röhrenmonitor zum LCD-Screen

In den letzten zwei Jahrzehnten hat ein technologischer Wandel bei den Monitoren stattgefunden. Es gibt folgende Technologien:
CRT-Monitore („Cathode Ray Tubes“ = Kathodenstrahlröhre auch Röhrenmonitor genannt)
LCD-Screen („Liquid Crystal Display =  Flüssigkristallbildschirm)
TFT-Monitore („Thin Film Transistor“ = Dünnschichttransistoren, auch Aktiv-Matrix-Display genannt)
OLED („Organic Light Emitting Diode“ = „Organische lichtemittierende Diode“)

Der Wechsel vom Röhrenmonitor hin zum LCD-Screen – und inzwischen zum LCD-LED-Screen – hat auch die Farbwirkung verändert. Das Bild ist schärfer und ruhiger geworden. Ein Übriges dazu tun die besseren Grafikkarten. Doch alles ist relativ. So wie sich das Bild eines Röhrenmonitors erst zu voller Leuchtkraft entwickelte, wenn die Röhre eine Zeit lang an war, so ist beim Flachbildschirm der Betrachtungswinkel ein farbverändernder Einfluss. Die Lebensdauer ist bei allen Monitoren begrenzt und mit fortlaufender Zeit nimmt die Lichtstärke ab. Das heißt: Die Farben verlieren nach 2-3 Jahren Betriebsdauer an Leuchtkraft und Kontrast, weil der Monitor insgesamt an Helligkeit verliert. Allerdings liefern TFT-Monitore generell inzwischen bessere Bilder als die alten CRT-Monitore. Sie sind flimmerfrei, verzerrungsfrei und bieten ein gestochen scharfes Bild.

Die Technik der Zukunft: Das dünne und flexible OLED

Die Nachfolger der LCDs werden vermutlich die OLEDs sein,wie sie beispielsweise schon in kleinerer Ausführung bei Smartphones eingesetzt werden. Während man allerdings beim Röhrenmonitor die Auflösungen ohne Qualitätsverlust umstellen konnte, ist die Auflösung des Flüssigkristallbildschirmes nur bei einer voreingestellten Auflösung optimal. Außerdem ist die Farbwirkung bei zu geringem Kontrast bei Flachbildschirmen eingeschränkt. Das OLED bringt dem gegenüber einen besseren Kontrast und eine realistischere Farbdarstellung mit sich. Übrigens sind OLEDs biegsam und noch einmal dünner als die vorherige LCD-Technologie. So erscheinen daraus gefertigt biegsame Bildschirme oder sogar „elektronisches Papier“ denkbar.

Bit by Bit: Die Farbtiefe entscheidet über die Brillanz der Bilddarstellung

Die Technik ist auch insofern erheblich fortgeschritten, als sie die Anzahl an Farbabstufungen, die in „Bit“ angegeben wird, soweit gesteigert hat, dass sie viel mehr Farben darstellt, als das menschliche Auge überhaupt auseinanderhalten kann.

  • 1 Bit Farbtiefe heißt, dass einem RGB-Farbkanal am Monitor zwei Zustände zugewiesen sind. Der Farbkanal Blau könnte also zum Beispiel blau oder schwarz sein.
  • 2 Bit Farbtiefe ist die Verdopplung dieser Zustände auf 4 Möglichkeiten, zum Beispiel zu Blau, Hellbau, Dunkelblau und Schwarz.
  • 8 Bit Farbtiefe ergäbe schon 256 Farbzustände oder Farbabstufungen.
  • 24 Bit Farbtiefe: Die heute gebräuchlichen 24 Bit (True Color) bedeuten, dass jedem der drei Farbkanäle RGB/Rot-Grün-Blau 8 Bit zugewiesen werden, was rechnerisch 16.777.216 (16,7 Millionen) Farbzustände oder Farbnuancen ergibt.
  • 48 Bit Farbtiefe: Erhöht man die Farbtiefe so weit, würden jedem der drei Farbkanäle 16 Bit zugewiesen werden, was 281.474.976.710.656 (281 Billionen) verschiedene Farben ergäbe.

Farbwirkung: Grenzen der Farbwahrnehmung des menschlichen Auges

Das menschliche Auge kann aber schon die 16,7 Millionen Farben nicht ausdifferenzieren. Bei einem Schwarz-Weiß-Bild reichen 256 Grautöne zur Ausdifferenzierung, und wenn man bedenkt, dass die ursprüngliche HKS-Farbpalette aus nur 88 Volltonfarben bestand und nun 3.520 aufweist, kann man ermessen, dass die moderne Technologie bezüglich der Farbtiefe bereits weit vorne ist. Das menschliche Auge kann rein rechnerisch maximal 380.000 verschiedene Farben sehen, tatsächlich kann es in der Praxis aber nur eine sehr geringe Anzahl an Farben gleichzeitig unterscheiden. Eine höhere Farbtiefe hat also nicht in erster Linie den Vorteil, dass tatsächlich mehr Farben wahrgenommen werden können, sondern ein Bild wirkt brillanter, weil Farbverläufe und Farbübergänge differenzierter dargestellt werden.

RGB und CMYK im Photoshop

 

In Adobe Photoshop gibt es für die einzelnen Farbräume unterschiedliche Mischer.

Pixeldichte beim Monitor und Rasterweite beim Offsetdruck

Den Ausschlag für die Farbdarstellung bei Displays gibt auch die Pixeldichte. Sie liegt bei modernen Flachbildschirmen wie beispielsweise dem Retina-Display von Apple bei zwischen 227 Pixel pro Zoll (bei größeren Monitoren) und 326 Zoll pro Pixeln bei kleineren wie dem iPhone. Auch hier ist die Technologie weit fortgeschritten: Das iPhone 3GS aus dem Jahre 2009 hatte noch lediglich 163 Pixeln pro Zoll. Apple wirbt damit, dass ein durchschnittlicher Mensch bei herkömmlichem Betrachtungsabstand beim Retina-Display keine Pixel mehr sehen könne.
Das erinnert an die rasante Entwicklung bei den Tintenstrahldruckern, die inzwischen ebenfalls so fein drucken, dass man den Druckpunkt nicht mehr ausmachen kann.
Die Entsprechung bein Offsetdruck wäre das frequenzmodulierte FM-Raster oder eine Produktion im Trockenoffset, bei der man so feine Raster drucken kann, dass die nicht mehr sichtbar sind. Ansonsten ist beim Druck die DPI-Zahl entscheidend, ein Foto sollte bezogen auf die Größe, in der es gedruckt werden soll, eine 300-DPI-Auflösung haben. DPI heißt „Dots per Inch“ und gibt mit der Punktdichte an, wie viele Punkte auf einen Zoll passen.

Farbwirkung und Kontrastwirkung beim Flatscreen

Eine weitere entscheidende Bedingung für die Farbintensität ist beim Flachbildschirm das Kontrastverhältnis. Der Kontrast drückt das Verhältnis zwischen dem Weißanteil des hellsten Punktes auf dem Display und dem dunkelsten Punkt aus, quantifiziert also die Helligkeitsdifferenz. Das heißt, ein Kontrastverhältnis von 1:1.500 sagt aus, dass Weiß 1.500-mal heller ist als Schwarz. Für einen qualitativ guten Farbeindruck sollte das Kontrastverhältnis mindestens über 1:1.000 liegen.

Farbe ist relativ, deshalb ist Normierung für eine einheitliche Farbwirkung wichtig

Man sieht: Sowohl die Welt der Druckfarben und ihrer Wirkung und Wahrnehmung durch das menschliche Auge als auch die Welt der Monitorfarben unterlegt zahlreichen beeinflussenden Rahmenfaktoren, die die Farbanmutung unterschiedlich ausfallen lassen. Hinzu kommt, dass die Farbwahrnehmung des Menschen eigentlich als psychologischer Vorgang anzusehen ist. Denn das Gehirn analysiert und interpretiert die eingehenden Farbsignale. Deshalb kommt insgesamt der Normierung von Farbe und ihren Standards durch die Durchgängigkeit des Einsatzes von Technologien ein hoher Stellenwert zu. Moderne Kalibrierungs-Technologie, die Bildschirme, Kameras, Scanner und Desktopdrucker eicht, ermöglicht dies. Beim Offsetdruck hat die „Fogra Forschungsgesellschaft Druck e.V.“ die einzelnen Teile des Workflows beim Offsetdruck normiert.

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