{"id":3785,"date":"2012-04-24T16:30:43","date_gmt":"2012-04-24T14:30:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.flyerpilot.de\/?p=3785"},"modified":"2023-11-09T11:16:05","modified_gmt":"2023-11-09T10:16:05","slug":"gautschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.flyerpilot.de\/magazin\/flyerpilot-intern\/presse\/gautschen","title":{"rendered":"Das Gautschen in der Druck-Branche"},"content":{"rendered":"<p>Das Gautschen \u2013 die sogenannte Buchdrucker-Taufe \u2013 macht mitunter einen eher unsanften Eindruck, geht jedoch auf eine lange Tradition zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Noch heute \u201etauft\u201c man auf diese Weise \u201efrischgebackene\u201c Gesellen, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Fr\u00fcher waren dies haupts\u00e4chlich Buchdrucker, heute hingegen sind es vorzugsweise Offsetdrucker, Buchbinder und Mediengestalter, welche nach Beendigung ihrer Ausbildung den Gautschenprozess durchlaufen. Hierzu wird der oder diejenige auf einen Stuhl mit nassen Schw\u00e4mmen gesetzt und zus\u00e4tzlich dann in eine B\u00fctte (einen Bottich) eingetaucht. Das Prozedere wird durch einen Gautschmeister \u2013 welcher zuvor ernannt wird- einem Schwammhalter sowie dem ersten und zweiten Packer begleitet.<\/p>\n<p>Das Gautschen steht auch f\u00fcr eine Art \u201eReinigungsprozess\u201c. Wer gegautscht wird, der wird gleichsam auch symbolisch von all seinen schlechten Gewohnheiten, die er w\u00e4hrend seiner Ausbildungszeit an den Tag gelegt hat, gereinigt. Zum Schluss erh\u00e4lt der Geselle dann einen sogenannten Gautschenbrief als Erinnerung an diesen Tag mit auf seinen Weg.<\/p>\n<p>Dieser enth\u00e4lt einen Text, wie diesen hier und wird meist sehr k\u00fcnstlerisch und mit Liebe zum Detail gefertigt.<\/p>\n<p><em>Packt an! Lasst seinen Corpus posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm, bis triefen beide Ballen. Der durst\u2019gen Seele ein Sturzbad gebet obendrauf- Das ist dem Sohne Gutenbergs die allerbeste Taufe\u201c.<br \/>\nVon Gottes Gnaden, wir J\u00fcnger Gutenbergs, des heiligen r\u00f6mischen Reiches tun an mit jederm\u00e4nnlich Kund und zu wissen, dass der J\u00fcnger der wohl edlen Buchdruckerkunst nach altem Brauch und Herkommen heute mit Zuziehung des Herrn Gesellen\u2026\u2026 die Wassertaufe ad posteriora erhalten hat und damit in s\u00e4mtliche uns von Kaiser FriedrichIII. Verliehenen Rechten und Previlegien eingesetzt ist. Kraft dieses Briefes gebieten wir allen unseren Kunstgenossen, obengenanten J\u00fcnger Gutenbergs als echten Schwarzk\u00fcnstler anzuerkennen und aufzunehmen.<br \/>\nUnterschriften des Gautschmeister, des Schwammhalters, erster Packer, zweiter Packer und Zeugen.<\/em><\/p>\n<p>Bei einer solchen Taufe darf nat\u00fcrlich auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen und so geh\u00f6rt zum Gautschen auch ein z\u00fcnftiges Fest mit Essen und Trinken und gem\u00fctlichem Beisammensein. Doch das war nicht immer so. Fr\u00fcher wurde dieser Brauch in einem eher kleinen Rahmen im jeweiligen Betrieb durchgef\u00fchrt und die Getr\u00e4nke und Speisen f\u00fcr die G\u00e4ste waren das sogenannte Gautschhonorar, welches die Lehrlinge \u201ebezahlen\u201c mussten. Heutzutage findet diese Ehrung zumeist in einem doch durchaus \u00f6ffentlichen Stil statt und das Gautschhonorar wird aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe der Festivit\u00e4ten meist vom Ausbildungsbetrieb \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Die Bezeichnung <strong>Gautschen <\/strong>kommt urspr\u00fcnglich aus der Papierherstellung. Genauer gesagt aus der Herstellung von B\u00fcttenpapier, welches von Hand gesch\u00f6pft und zum Schluss auf ein Trockenfilz unter leichtem Druck abgelegt wird. Noch heute nennt man in der industriellen Papierfertigung die erste mechanische Entw\u00e4sserung der Papierbahn Gautschen. Erst danach wird das zuvor feuchte Papier in die Pressenpartie weitergef\u00fchrt. Auch in der Karton-Herstellung findet sich dieser Begriff wieder, hierbei allerdings bezieht sich das Gautschen eher auf das \u00dcbereinanderlegen von mehreren Lagen Papier und weiteren Materialien zu einer stabilen Kartonage.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Brutal gutes Brauchtum: Gautschen\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3eJddhhtgH4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Bildquelle:\u00a0<strong>fotolia \u00a9 demarco<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gautschen \u2013 die sogenannte Buchdrucker-Taufe \u2013 macht mitunter einen eher unsanften Eindruck, geht jedoch auf eine lange Tradition zur\u00fcck. 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