{"id":42,"date":"2026-10-07T12:32:21","date_gmt":"2026-10-07T10:32:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.flyerpilot.de\/?p=42"},"modified":"2026-10-08T10:48:17","modified_gmt":"2026-10-08T08:48:17","slug":"papier-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.flyerpilot.de\/magazin\/druckprodukte\/papier-geschichte","title":{"rendered":"Die Geschichte des Papiers: von Cai Lun bis DIN A4"},"content":{"rendered":"<p>Papier ist so allt\u00e4glich, dass man es kaum noch bemerkt. Dabei hat es fast zweitausend Jahre gebraucht, um von einer Werkstatt am chinesischen Kaiserhof bis in den Drucker auf Ihrem Schreibtisch zu kommen. Die Geschichte dahinter handelt von einem gut geh\u00fcteten Geheimnis, von Kriegsgefangenen, von knappen Lumpen und von einem Weber aus Sachsen, der Holz zerrieb.<\/p>\n<h2>Die Geschichte des Papiers auf einen Blick<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Zeit<\/th>\n<th>Ereignis<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>um 3000 v. Chr.<\/td>\n<td>In \u00c4gypten wird auf Papyrus geschrieben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2. Jahrhundert v. Chr.<\/td>\n<td>\u00c4lteste Funde von Papier in China<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>105 n. Chr.<\/td>\n<td>Der Hofbeamte Cai Lun stellt dem Kaiser sein Verfahren zur Papierherstellung vor.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>751<\/td>\n<td>Nach der Schlacht am Talas gelangt das Wissen in die arabische Welt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>um 1150<\/td>\n<td>Papierm\u00fchle im spanischen X\u00e0tiva<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1276<\/td>\n<td>Papierm\u00fchlen im italienischen Fabriano<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1390<\/td>\n<td>Erste deutsche Papierm\u00fchle bei N\u00fcrnberg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>um 1450<\/td>\n<td>Gutenbergs Buchdruck l\u00e4sst den Bedarf an Papier steigen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1799<\/td>\n<td>Patent auf die erste Papiermaschine<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1843<\/td>\n<td>Friedrich Gottlob Keller gewinnt Faserstoff aus Holz.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1922<\/td>\n<td>Die Norm DIN 476 legt die Formate der A-Reihe fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Bevor es Papier gab<\/h2>\n<p>Geschrieben wurde lange vor dem Papier: auf Tontafeln, auf Papyrus, auf Pergament. Papyrus entstand aus den St\u00e4ngeln einer Sumpfpflanze, die in Streifen geschnitten, kreuzweise gelegt und gepresst wurden. Pergament ist bearbeitete Tierhaut. Beide Stoffe waren teuer und aufwendig herzustellen. Vom Papyrus hat das Papier seinen Namen, die Technik ist aber eine andere.<\/p>\n<h2>China: Wer hat das Papier erfunden?<\/h2>\n<p>In den chinesischen Chroniken steht ein Name: Cai Lun, auch Tsai Lun geschrieben. Der Hofbeamte stellte dem Kaiser im Jahr 105 n. Chr. ein Verfahren vor, mit dem sich aus Pflanzenbast, Hanf, Lumpen und alten Fischernetzen ein Schreibstoff gewinnen lie\u00df. Die Fasern wurden in Wasser zerstampft, mit einem Sieb gesch\u00f6pft, gepresst und getrocknet. An diesem Grundprinzip hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Erfunden hat Cai Lun das Papier vermutlich nicht. Arch\u00e4ologen haben in China Papierreste gefunden, die aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. stammen, also rund 200 Jahre \u00e4lter sind. Wahrscheinlicher ist, dass er ein vorhandenes Verfahren verbessert und am Hof bekannt gemacht hat. Ein Material von dieser Bedeutung entsteht selten durch eine einzelne Person an einem einzigen Tag.<\/p>\n<h2>Wie das Geheimnis nach Westen kam<\/h2>\n<p>\u00dcber Jahrhunderte blieb die Herstellung in Ostasien. Nach der \u00dcberlieferung \u00e4nderte sich das im Jahr 751. In der Schlacht am Talas in Zentralasien gerieten chinesische Papiermacher in arabische Gefangenschaft und gaben ihr Wissen weiter. Kurz darauf arbeiteten Papierwerkst\u00e4tten in Samarkand, gegen Ende des 8. Jahrhunderts auch in Bagdad.<\/p>\n<p>Von dort wanderte das Handwerk \u00fcber Nordafrika nach Spanien. Um 1150 gab es eine Papierm\u00fchle in X\u00e0tiva, 1276 werden die M\u00fchlen im italienischen Fabriano erw\u00e4hnt. Aus Fabriano stammt auch das Wasserzeichen. In Deutschland lie\u00df der N\u00fcrnberger Kaufmann Ulman Stromer 1390 die erste Papierm\u00fchle einrichten.<\/p>\n<h2>Buchdruck und Lumpenmangel<\/h2>\n<p>Der Rohstoff der Papierm\u00fchlen waren Lumpen, also abgetragene Kleidung aus Leinen und Hanf. Lumpensammler zogen von Haus zu Haus und verkauften ihre Ware an die M\u00fchlen. Solange nur von Hand geschrieben wurde, reichte das.<\/p>\n<p>Um 1450 erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern. B\u00fccher lie\u00dfen sich jetzt in gro\u00dfer Zahl herstellen, und der Bedarf an Papier wuchs schneller als der Vorrat an Lumpen. \u00dcber Jahrhunderte war der Rohstoff knapp. Manche Landesherren verboten sogar, Lumpen au\u00dfer Landes zu verkaufen. Wie sich Schrift und Druck in dieser Zeit entwickelten, lesen Sie im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.flyerpilot.de\/magazin\/tutorials-anleitungen\/schrift-und-typographie\/schriftgeschichte-duckindustrie\">Geschichte der Schrift<\/a>.<\/p>\n<h2>Das 19. Jahrhundert: Maschine und Holz<\/h2>\n<p>Zwei Erfindungen machten aus dem Handwerk eine Industrie.<\/p>\n<ol>\n<li>Die Papiermaschine. Der Franzose Nicolas-Louis Robert erhielt 1799 ein Patent auf eine Maschine, die Papier nicht mehr Bogen f\u00fcr Bogen sch\u00f6pfte, sondern als endlose Bahn herstellte.<\/li>\n<li>Der Holzschliff. Der s\u00e4chsische Weber Friedrich Gottlob Keller presste 1843 Holz gegen einen nassen Schleifstein und gewann so Fasern f\u00fcr Papier. Damit war der Mangel an Lumpen beendet. Wenig sp\u00e4ter kamen chemische Verfahren hinzu, mit denen sich aus Holz Zellstoff gewinnen lie\u00df.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In dieselbe Zeit f\u00e4llt eine Erfindung, die das Bedrucken ver\u00e4nderte: der Steindruck. Mehr dazu im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.flyerpilot.de\/magazin\/alois-senefelders-erfindung\">Alois Senefelders Erfindung<\/a>.<\/p>\n<h2>1922: Papier bekommt ein Format<\/h2>\n<p>Bis ins 20. Jahrhundert hatte jede Region und fast jede M\u00fchle eigene Bogengr\u00f6\u00dfen. 1922 legte die Norm DIN 476 die Formate fest, die Sie heute t\u00e4glich benutzen. Das Prinzip ist einfach: Ein Bogen A0 hat einen Quadratmeter Fl\u00e4che. Halbiert man ihn, entsteht A1, dann A2 und so weiter bis zum Briefbogen A4 und zur Postkarte A6. Das Seitenverh\u00e4ltnis bleibt bei jeder Halbierung gleich.<\/p>\n<h2>Papier heute<\/h2>\n<p>Das Grundprinzip von Cai Lun gilt weiter: Fasern werden in Wasser aufgel\u00f6st, auf einem Sieb zu einer Bahn geformt, gepresst und getrocknet. Ver\u00e4ndert haben sich Geschwindigkeit und Rohstoffe. Moderne Papiermaschinen arbeiten mit Zellstoff, Holzschliff und Altpapier. Dass sich bedrucktes Papier wiederverwenden l\u00e4sst, zeigte der G\u00f6ttinger Professor Justus Claproth schon 1774.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Druck z\u00e4hlen heute vor allem zwei Unterscheidungen:<\/p>\n<ol>\n<li>Gestrichen oder ungestrichen. Was das bedeutet, erkl\u00e4rt der Beitrag <a href=\"https:\/\/www.flyerpilot.de\/magazin\/tipps-online-drucken\/drucksachen-berater\/naturpapiere\">Naturpapiere<\/a>.<\/li>\n<li>Frischfaser oder Altpapier. Wie Recyclingpapier entsteht und im Druck wirkt, lesen Sie unter <a href=\"https:\/\/www.flyerpilot.de\/magazin\/tipps-online-drucken\/drucksachen-berater\/recyclingpapier\">Recyclingpapier: grau oder wei\u00df?<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>H\u00e4ufige Fragen zur Geschichte des Papiers<\/h2>\n<h3>Wer hat das Papier erfunden?<\/h3>\n<p>\u00dcberliefert ist der chinesische Hofbeamte Cai Lun, der sein Verfahren im Jahr 105 n. Chr. vorstellte. Funde zeigen aber, dass es in China schon rund 200 Jahre fr\u00fcher Papier gab.<\/p>\n<h3>Seit wann wird Papier aus Holz gemacht?<\/h3>\n<p>Seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Friedrich Gottlob Keller gewann 1843 erstmals Faserstoff durch das Schleifen von Holz.<\/p>\n<h3>Wann entstand die erste Papierm\u00fchle in Deutschland?<\/h3>\n<p>1390 bei N\u00fcrnberg. Der Kaufmann Ulman Stromer lie\u00df sie einrichten.<\/p>\n<h3>Woher kommt das Format DIN A4?<\/h3>\n<p>Aus der Norm DIN 476 von 1922. A4 ist ein Sechzehntel des Bogens A0, der genau einen Quadratmeter misst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papier ist so allt\u00e4glich, dass man es kaum noch bemerkt. 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