Geschichte des Papiers
Papier ist so alltäglich, dass man es kaum noch bemerkt. Dabei hat es fast zweitausend Jahre gebraucht, um von einer Werkstatt am chinesischen Kaiserhof bis in den Drucker auf Ihrem Schreibtisch zu kommen. Die Geschichte dahinter handelt von einem gut gehüteten Geheimnis, von Kriegsgefangenen, von knappen Lumpen und von einem Weber aus Sachsen, der Holz zerrieb.
Die Geschichte des Papiers auf einen Blick
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| um 3000 v. Chr. | In Ägypten wird auf Papyrus geschrieben. |
| 2. Jahrhundert v. Chr. | Älteste Funde von Papier in China |
| 105 n. Chr. | Der Hofbeamte Cai Lun stellt dem Kaiser sein Verfahren zur Papierherstellung vor. |
| 751 | Nach der Schlacht am Talas gelangt das Wissen in die arabische Welt. |
| um 1150 | Papiermühle im spanischen Xàtiva |
| 1276 | Papiermühlen im italienischen Fabriano |
| 1390 | Erste deutsche Papiermühle bei Nürnberg |
| um 1450 | Gutenbergs Buchdruck lässt den Bedarf an Papier steigen. |
| 1799 | Patent auf die erste Papiermaschine |
| 1843 | Friedrich Gottlob Keller gewinnt Faserstoff aus Holz. |
| 1922 | Die Norm DIN 476 legt die Formate der A-Reihe fest. |
Bevor es Papier gab
Geschrieben wurde lange vor dem Papier: auf Tontafeln, auf Papyrus, auf Pergament. Papyrus entstand aus den Stängeln einer Sumpfpflanze, die in Streifen geschnitten, kreuzweise gelegt und gepresst wurden. Pergament ist bearbeitete Tierhaut. Beide Stoffe waren teuer und aufwendig herzustellen. Vom Papyrus hat das Papier seinen Namen, die Technik ist aber eine andere.
China: Wer hat das Papier erfunden?
In den chinesischen Chroniken steht ein Name: Cai Lun, auch Tsai Lun geschrieben. Der Hofbeamte stellte dem Kaiser im Jahr 105 n. Chr. ein Verfahren vor, mit dem sich aus Pflanzenbast, Hanf, Lumpen und alten Fischernetzen ein Schreibstoff gewinnen ließ. Die Fasern wurden in Wasser zerstampft, mit einem Sieb geschöpft, gepresst und getrocknet. An diesem Grundprinzip hat sich bis heute nichts geändert.
Erfunden hat Cai Lun das Papier vermutlich nicht. Archäologen haben in China Papierreste gefunden, die aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. stammen, also rund 200 Jahre älter sind. Wahrscheinlicher ist, dass er ein vorhandenes Verfahren verbessert und am Hof bekannt gemacht hat. Ein Material von dieser Bedeutung entsteht selten durch eine einzelne Person an einem einzigen Tag.
Wie das Geheimnis nach Westen kam
Über Jahrhunderte blieb die Herstellung in Ostasien. Nach der Überlieferung änderte sich das im Jahr 751. In der Schlacht am Talas in Zentralasien gerieten chinesische Papiermacher in arabische Gefangenschaft und gaben ihr Wissen weiter. Kurz darauf arbeiteten Papierwerkstätten in Samarkand, gegen Ende des 8. Jahrhunderts auch in Bagdad.
Von dort wanderte das Handwerk über Nordafrika nach Spanien. Um 1150 gab es eine Papiermühle in Xàtiva, 1276 werden die Mühlen im italienischen Fabriano erwähnt. Aus Fabriano stammt auch das Wasserzeichen. In Deutschland ließ der Nürnberger Kaufmann Ulman Stromer 1390 die erste Papiermühle einrichten.
Buchdruck und Lumpenmangel
Der Rohstoff der Papiermühlen waren Lumpen, also abgetragene Kleidung aus Leinen und Hanf. Lumpensammler zogen von Haus zu Haus und verkauften ihre Ware an die Mühlen. Solange nur von Hand geschrieben wurde, reichte das.
Um 1450 erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Bücher ließen sich jetzt in großer Zahl herstellen, und der Bedarf an Papier wuchs schneller als der Vorrat an Lumpen. Über Jahrhunderte war der Rohstoff knapp. Manche Landesherren verboten sogar, Lumpen außer Landes zu verkaufen. Wie sich Schrift und Druck in dieser Zeit entwickelten, lesen Sie im Beitrag Geschichte der Schrift.
Das 19. Jahrhundert: Maschine und Holz
Zwei Erfindungen machten aus dem Handwerk eine Industrie.
- Die Papiermaschine. Der Franzose Nicolas-Louis Robert erhielt 1799 ein Patent auf eine Maschine, die Papier nicht mehr Bogen für Bogen schöpfte, sondern als endlose Bahn herstellte.
- Der Holzschliff. Der sächsische Weber Friedrich Gottlob Keller presste 1843 Holz gegen einen nassen Schleifstein und gewann so Fasern für Papier. Damit war der Mangel an Lumpen beendet. Wenig später kamen chemische Verfahren hinzu, mit denen sich aus Holz Zellstoff gewinnen ließ.
In dieselbe Zeit fällt eine Erfindung, die das Bedrucken veränderte: der Steindruck. Mehr dazu im Beitrag Alois Senefelders Erfindung.
1922: Papier bekommt ein Format
Bis ins 20. Jahrhundert hatte jede Region und fast jede Mühle eigene Bogengrößen. 1922 legte die Norm DIN 476 die Formate fest, die Sie heute täglich benutzen. Das Prinzip ist einfach: Ein Bogen A0 hat einen Quadratmeter Fläche. Halbiert man ihn, entsteht A1, dann A2 und so weiter bis zum Briefbogen A4 und zur Postkarte A6. Das Seitenverhältnis bleibt bei jeder Halbierung gleich.
Papier heute
Das Grundprinzip von Cai Lun gilt weiter: Fasern werden in Wasser aufgelöst, auf einem Sieb zu einer Bahn geformt, gepresst und getrocknet. Verändert haben sich Geschwindigkeit und Rohstoffe. Moderne Papiermaschinen arbeiten mit Zellstoff, Holzschliff und Altpapier. Dass sich bedrucktes Papier wiederverwenden lässt, zeigte der Göttinger Professor Justus Claproth schon 1774.
Für den Druck zählen heute vor allem zwei Unterscheidungen:
- Gestrichen oder ungestrichen. Was das bedeutet, erklärt der Beitrag Naturpapiere.
- Frischfaser oder Altpapier. Wie Recyclingpapier entsteht und im Druck wirkt, lesen Sie unter Recyclingpapier: grau oder weiß?.
Häufige Fragen zur Geschichte des Papiers
Wer hat das Papier erfunden?
Überliefert ist der chinesische Hofbeamte Cai Lun, der sein Verfahren im Jahr 105 n. Chr. vorstellte. Funde zeigen aber, dass es in China schon rund 200 Jahre früher Papier gab.
Seit wann wird Papier aus Holz gemacht?
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Friedrich Gottlob Keller gewann 1843 erstmals Faserstoff durch das Schleifen von Holz.
Wann entstand die erste Papiermühle in Deutschland?
1390 bei Nürnberg. Der Kaufmann Ulman Stromer ließ sie einrichten.
Woher kommt das Format DIN A4?
Aus der Norm DIN 476 von 1922. A4 ist ein Sechzehntel des Bogens A0, der genau einen Quadratmeter misst.
