Alois Senefelder Erfindung
Wer Alois Senefelder war
Alois Senefelder wurde 1771 in Prag geboren und starb 1834 in München. Er schrieb Theaterstücke und suchte einen Weg, sie ohne teure Druckplatten zu vervielfältigen. Zwischen 1796 und 1798 entwickelte er in München daraus den Steindruck, die Lithografie.
Auf Senefelder gehen vier Dinge zurück: die Lithografie selbst, seine Punktiertechnik mit der Feder, der Steindruck als Druckverfahren und der Umdruck. Aus dem Prinzip der Lithografie ist später der Offsetdruck entstanden.
So funktioniert der Steindruck
Der Steindruck ist ein Flachdruck. Druckende und nicht druckende Stellen liegen auf einer Ebene. Das Verfahren nutzt aus, dass Fett und Wasser sich abstoßen.
- Die Zeichnung wird mit fetthaltiger Tusche oder Kreide auf einen glatt geschliffenen Kalkstein aufgetragen.
- Der Stein wird angefeuchtet. Das Wasser bleibt nur auf den freien Stellen stehen.
- Die fetthaltige Druckfarbe wird aufgewalzt. Sie haftet nur auf der Zeichnung.
- Ein Bogen Papier wird auf den Stein gepresst und nimmt die Farbe ab.
Der Punkt als Druckelement
Um ein Bild zu drucken, braucht man Druckelemente: Punkt, Korn und Strich. Bei Schrift genügt die Linie. Ein Bild besteht dagegen aus Halbtönen, also aus verlaufenden Tonwerten und Farbtönen. Striche wie im Holzschnitt oder in der Federzeichnung geben das nur grob wieder. Feine Tonwertstufen entstehen durch sehr kleine Druckelemente, wie man sie vom Punktstich im frühen Kupferdruck kennt.
Der Lithograf setzte diese Punkte von Hand auf den Stein. Kleine Punkte ergeben helle Töne, große Punkte dunkle Töne. Das gilt für das Kreidekorn, für die Spritztechnik und für die Punkte aus Senefelders Federpunktiermanier. Um 1800 arbeitete man neben den Punkten auch mit Senefelders Kreidetechnik. Mit der Chromolithografie kamen Kreiden, Tamponieren und Spritzen dazu, oft gemischt. Auf alten Postkarten ist das gut zu erkennen.

Die Lithografie verändert den Bilderdruck
Um 1800 dominierte der Hochdruck, so wie seit Gutenbergs Erfindung der beweglichen Letter. Bilder wurden als Holzschnitte in die Druckform mit dem Text montiert. Einen Mehrfarbendruck im heutigen Sinn gab es nicht, weil die kleinen Druckelemente fehlten.
Der Steindruck war für Bilder einfacher zu handhaben und verbreitete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts schnell. Für die Hochdrucker und Tiefdrucker dieser Zeit entstand damit eine starke Konkurrenz.
Dazu kam der Umdruck, den Senefelder ebenfalls entwickelt hat. Mit ihm ließen sich Texte, Noten, Gravuren und Holzschnitte direkt vervielfältigen, auch alte Drucke. Einen einfarbigen Bilderdruck gibt es von Senefelder selbst schon kurz nach seiner Erfindung.
Gottfried Engelmann in Paris nutzte den Umdruck, um die Motive für die einzelnen Farben seiner Chromolithografien zu pausen. Solche Drucke bestehen aus 10 bis 20 Einzelfarben.

Die vielen, meist hellen Einzelfarben hatten einen Zweck: Die von Hand gesetzten Punkte sollten im fertigen Bild nicht auffallen. Die Tonabstufungen entstanden durch Kreidetechnik, Federtechnik und Spritzkorn. Ab etwa 1850 kam die Tangiertechnik dazu. Dabei wurden vorab punktierte Tonwerte von einer Folie auf eine vorbereitete Stelle des Steins umgedruckt.
Neue Berufe und Arbeitsteilung
Neben Kupferstechern und Holzschneidern gab es jetzt Chromolithografen, Schriftlithografen, Steinschleifer und Steindrucker. Die Arbeit wurde aufgeteilt. Manche Lithografen punktierten nur glatte Töne, andere nur Faltenwürfe oder Gesichter.
Die Lithografie einer Postkarte in acht Farben dauerte etwa zwei bis drei Wochen. Für den wachsenden Bedarf war das bald zu langsam. Neue Verfahren kamen auf, vor allem die Fotografie.
Von der Lithografie zum Offsetdruck
Zwei deutsche Erfinder haben Senefelders Arbeit fortgeführt. Georg Meisenbach entwickelte 1882 in München die Rastertechnik. Mit ihr entstehen die Punkte nicht mehr von Hand, sondern über ein Raster. Die Tangiertechnik gilt als ein Anstoß dafür. Rudolf Hell in Kiel entwickelte später die elektronische Reproduktion.
Der Offsetdruck arbeitet bis heute nach Senefelders Prinzip von Fett und Wasser. Die Farbe wird dabei nicht direkt vom Druckträger auf das Papier gebracht, sondern über ein Gummituch. Wie die Farben in diesem Verfahren aufgebaut sind, lesen Sie unter Druckfarben im Offsetdruck.
Mehr zur Geschichte des Druckens
Ohne Papier kein Steindruck: Wie der Bedruckstoff entstand, steht im Beitrag Geschichte des Papiers. Die Entwicklung der Schrift im Druck beschreibt der Beitrag Geschichte der Schrift. Wo die Branche heute steht, lesen Sie unter Lage der Druckindustrie.