Visitenkarten drucken im Wandel der Zeit
Die Visitenkarte war einmal eine Besuchskarte. Schon das Wort verrät es: Es kommt vom lateinischen visitare und vom französischen visiter, besuchen. Dieser Beitrag zeigt, wie aus der Karte für den Anstandsbesuch die Geschäftskarte von heute wurde, welche Formate und Regeln in anderen Ländern gelten und wie Sie Ihre Karte für den Druck anlegen.
Von der Besuchskarte zur Geschäftskarte
Wer früher ein vornehmes Haus besuchte, gab seine Karte dem Bediensteten. Der reichte sie auf einem Silbertablett an den Hausherrn oder die Dame des Hauses weiter. Erst danach wurde entschieden, ob der Gast empfangen wird. Bei Festen am Hof nutzte der Zeremonienmeister die Karten, um die Gäste anzukündigen.
Wo die Karte ihren Anfang nahm, ist umstritten. Genannt werden das alte Ägypten, das alte Rom und das China des 15. Jahrhunderts. Belegen lässt sich keine dieser Annahmen. Der Sammler und Historiker Eckart Henning datiert die Erfindung in das Frankreich Ludwigs XIV., also in die Zeit von 1638 bis 1715.
17. und 18. Jahrhundert: Kupferstich und Rahmenkarte
Ab dem 17. Jahrhundert gehörte die Besuchskarte in Frankreich, England und Österreich zur guten Sitte der feinen Gesellschaft. Die frühen Karten waren oft noch nicht gedruckt. Sie bestanden aus Papierstreifen oder aus zerschnittenen und signierten Tarockkarten. Solche Karten aus dem Jahr 1759 sind vom Hof des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz erhalten.
Im 18. Jahrhundert gab es zwei Arten:
- Individuelle Karten, die für einen Auftraggeber entworfen und in Kupfer gestochen wurden. Sie waren teuer.
- Rahmenkarten, auch Kartenblanketts genannt. Man kaufte sie fertig im Handel und trug nur noch den Namen ein. In Berlin bot die Ungersche Buchdruckerei sie um 1780 in der Vossischen Zeitung an.

Die Rahmenkarte setzte sich durch, weil man sie günstig wechseln konnte, wenn die Mode sich änderte. Die Motive folgten dem Stil der Zeit: erst Barock und Rokoko, in den 1780er-Jahren Figuren der griechischen und römischen Mythologie, danach antike Rahmenverzierungen. Bald zeigte die Karte auch den Beruf. Offiziere bekamen Waffen, Fahnen oder Zelte, Jäger Gewehre und Hunde, Musiker Instrumente. Ärzte ließen sich am Krankenbett darstellen.

Henning legt die Blütezeit der illustrierten Karte in die Jahre 1780 bis 1815. Am Ende dieser Zeit stand die Reliefkarte, die im Prägedruck entstand. Zentren des Kupferstichs in Süddeutschland waren Augsburg und Nürnberg. In Berlin bevorzugte man schlichte Umrahmungen statt feierlicher Bilder.
19. Jahrhundert: Steindruck, strenge Regeln, feste Formate
Bis dahin wurden Karten gestochen, geprägt oder in Holz geschnitten. 1796 kam der Steindruck dazu. Wie dieses Verfahren entstand, lesen Sie im Beitrag Alois Senefelders Erfindung.
Nach dem Wiener Kongress 1815 wurden die Karten schlichter. Die Bilder verschwanden, es blieben Titel und Name in kalligrafischer Schrift.

In den 1830er- und 1840er-Jahren folgte die Glanzpapierkarte: klein, zierlich, mit feiner Druckschrift. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden die Karten einheitlich. Der Karton hatte weiß und steif zu sein, höchstens leicht gelblich oder bläulich. Wer in Trauer war, verwendete Karten mit schwarzem Rand.
Auch die Größe war geregelt:
- Herren: 10,5 x 6,5 cm
- Damen: 8,0 x 5,0 cm
- Kaiser: 12,0 x 8,0 cm
In Frankreich waren schmale lange Karten üblich, in England kleine Formate um 6,5 x 3,0 cm, in Amerika eher quadratische. Als Schrift war die lateinische Schreibschrift am beliebtesten, die auch englische Schreibschrift heißt.
Um 1900 tauchten wieder künstlerische Karten mit Ornament und Figuren auf. Sie waren aufwendig radiert und wurden deshalb eher gesammelt und getauscht als bei Besuchen abgegeben.

Wie die Karte benutzt wurde
Bis ins 20. Jahrhundert hielt man Kontakt per Brief oder persönlich. In der Kaiserzeit waren Anstandsbesuche Pflicht: nach einem Umzug bei neuen Vorgesetzten und Kollegen, nach einer Einladung innerhalb von acht Tagen als Dank, dazu bei Geburt, Konfirmation, Verlobung, Hochzeit und im Trauerfall.
Für diese Besuche galten feste Zeiten. Sie fanden am späten Vormittag zwischen 11:30 und 13:00 Uhr statt und dauerten höchstens 15 Minuten. War der Gastgeber nicht da, hinterließ man seine Karte. Er schuldete dann einen Gegenbesuch.
Den Anlass teilte der Besucher auf zwei Wegen mit. Er schrieb ein französisches Kürzel auf die Karte, zum Beispiel p. p. c. für pour prendre congé, um Abschied zu nehmen. Oder er knickte eine bestimmte Ecke um. Ein Merkgedicht unbekannter Herkunft half Anfängern, die Kürzel zu behalten.

Um 1900 kam der Knick aus der Mode. Die Kürzel hielten sich länger. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Karte in Deutschland ihren Zweck als Besuchskarte fast ganz. Geblieben ist die Geschäftskarte.
Was früher auf der Karte stand
Auf jeder Karte stand der Name. Beamte, Offiziere und Geistliche setzten Titel und Rang in kleinerer Schrift dazu. Offiziere nannten zusätzlich die Nummer ihres Regiments. Ein Familienwappen kam nach links oben. Angaben zum Beruf waren tabu, die Karte sollte nicht wie eine Geschäftsempfehlung wirken. Ehepaare führten gemeinsame Karten unter dem Namen des Mannes, etwa „Friedrich Wagner und Frau“. Unten blieb Platz für die handschriftliche Notiz zum Besuchszweck.
Das Visitenkartenporträt
Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Carte de visite auf: ein Porträtfoto auf dünnem Karton im Format von etwa 5,5 x 9,0 cm. Man tauschte diese Bilder unter Freunden und Verwandten und sammelte sie in Alben.

Den Durchbruch brachte der Pariser Fotograf André Adolphe-Eugène Disdéri. Er ließ sich 1854 ein Verfahren patentieren, bei dem eine Kamera mit vier Objektiven und verschiebbarer Plattenkassette acht Aufnahmen auf einer Glasplatte unterbrachte. Der Abzug wurde zerschnitten, die einzelnen Porträts wurden auf Karton geklebt.

Das senkte den Preis deutlich. Das Visitenkartenporträt wurde zum ersten Massenartikel der Fotografie. Allein in England sollen von 1861 bis 1867 jährlich 300 bis 400 Millionen Stück hergestellt worden sein.
Die Visitenkarte heute
Heute wird die Karte vor allem im Beruf getauscht: auf Messen, Konferenzen und beim ersten Kontakt mit Geschäftspartnern. Sie steht nicht mehr nur einer Gesellschaftsschicht zu. Eine Karte wie die des Schauspielers Otto Eduard Hasse (1903 bis 1978), auf der nur seine Initialen standen, wäre heute unbrauchbar.

Auf eine Geschäftskarte gehören Name, Funktion, Firma mit Logo, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Webadresse. Die Rückseite nutzen viele für eine fremdsprachige Fassung, eine Anfahrtsskizze oder eine kurze Beschreibung der Leistungen. Wie Sie die Fläche aufteilen, steht im Beitrag Visitenkarte gestalten. Warum die gedruckte Karte neben dem Smartphone besteht, lesen Sie unter Visitenkarten im Zeitalter der Datenflut.
Formate im Überblick
Die Größe von Visitenkarten ist nicht genormt. In der Praxis haben sich je nach Land feste Maße eingebürgert:
| Format | Maße |
|---|---|
| Deutschland, üblich | 85 x 55 mm |
| Scheckkarte zum Vergleich | 85,6 x 54 mm |
| USA | 88,9 x 50,8 mm |
| Japan | 91 x 55 mm |
| DIN A8 | 74 x 52 mm |
| DIN C8 | 81 x 57 mm |
Soll die Karte im Geldbeutel oder in einer Kartenmappe aufbewahrt werden, bleiben Sie bei 85 x 55 mm. Klappkarten bieten mehr Fläche. In einer Einsteckhülle ist dann aber nur ein Teil der Daten zu lesen.
Material und Veredelung
Visitenkarten werden länger aufbewahrt als ein Brief oder ein Prospekt. Der Karton muss deshalb fester sein. Verwendet werden Papiere ab 180 g/m², üblich sind 300 g/m².
- Karton mit Leinenstruktur nimmt etwas weniger Farbe auf. Die Farben wirken sanfter als auf glattem Karton.
- Eine Cellophanierung schützt die Oberfläche und lässt Farben kräftiger wirken.
- Partieller Lack hebt einzelne Flächen hervor.
- Karten aus Kunststoff gibt es in Stärken von 300, 500 und 760 Mikrometern. 760 Mikrometer entsprechen einer Kreditkarte.
- Seltener sind Karten aus Aluminium, Holz oder Acryl. Sie passen, wenn das Material zum Beruf gehört, etwa Holz für eine Tischlerei.

Beispiele für ungewöhnliche Karten sammelt der Beitrag 40 ausgefallene Visitenkarten. Wer mehr über den Bedruckstoff wissen möchte, liest weiter unter Geschichte des Papiers.
Druckdaten für Visitenkarten anlegen
- Endformat: 85 x 55 mm
- Beschnitt: 2 bis 3 mm umlaufend. Die Datei misst dann 89 x 59 mm bei 2 mm Beschnitt oder 91 x 61 mm bei 3 mm.
- Abstand von Text und Logo zum Rand: 3 bis 5 mm
- Farbmodus: CMYK
- Auflösung: 300 dpi

Die verbindlichen Werte für Ihr Produkt stehen im Konfigurator unter „Druckdateninfo“. Dort können Sie auch gleich Ihre Visitenkarten bestellen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Datei finden Sie unter Visitenkarte mit Photoshop erstellen.
Größere Unternehmen drucken ihre Hausfarbe oft als Sonderfarbe nach Pantone oder HKS. So bleibt der Farbton gleich, auch wenn in verschiedenen Druckereien gedruckt wird. Das gilt für die Visitenkarte genauso wie für das Briefpapier und alle anderen Drucksachen im Corporate Design.
Wie viele Karten brauchen Sie?
Rechnen Sie vom Bedarf aus. Wenn Sie im Jahr fünf Messen besuchen und auf jeder etwa 50 Karten abgeben, sind das 250 Stück. Dazu kommen Termine im Alltag und eine Reserve. Und bestellen Sie neu, sobald sich eine Telefonnummer ändert. Eine handschriftliche Korrektur auf der Karte wirkt nachlässig.
Visitenkarten international: so läuft die Übergabe
In jedem Land gilt: Man sieht die erhaltene Karte an, bevor man sie einsteckt. Darüber hinaus gibt es Unterschiede.
| Land oder Region | Das ist üblich |
|---|---|
| Deutschland | Die Karte wird so übergeben, dass der Empfänger die Schrift lesen kann. Wer eine Karte erhält, gibt seine eigene zurück. |
| Großbritannien | Der Tausch findet am Anfang des Gesprächs statt, der Gastgeber beginnt. |
| Italien | Die Karte wird erst überreicht, wenn das Gespräch auf den Beruf kommt, oder beim Abschied. Akademische Grade und Titel stehen auf der Karte. |
| Österreich | Übergabe gleich nach der Begrüßung. Titel stehen vor dem Namen. |
| Schweiz | Titel werden selten genannt und wenn, dann unter dem Namen. |
| USA | Die Karte hat weniger Gewicht als in Asien. Der Ranghöchste beginnt mit dem Tausch. |
| Länder mit muslimischer Prägung | Die Karte wird mit der rechten Hand überreicht und mit der rechten Hand angenommen. |
| China | Die Karte wird mit beiden Händen und leicht geneigtem Oberkörper überreicht. Danach liegt sie während des Gesprächs vor einem auf dem Tisch. |
| Südkorea | Übergabe mit der rechten Hand, die linke stützt dabei das rechte Handgelenk. |
| Japan | Die ältere oder ranghöhere Person überreicht zuerst, mit einer Verbeugung. Die Karte wird genau betrachtet und nicht sofort eingesteckt. Auf die Karte des Gegenübers schreibt man nichts. |
Für Reisen nach China und Japan lohnt sich eine zweisprachige Karte. Überreichen Sie sie mit der Landessprache nach oben.
Die Visitenkarte im digitalen Alltag
Das digitale Gegenstück zur Karte ist die vCard. Das ist eine kleine Datei mit Name, Adresse, Telefonnummern, E-Mail-Adresse und Webadresse in einer festgelegten Struktur. Adressbücher und E-Mail-Programme lesen sie direkt ein.
Gedruckte Karte und vCard lassen sich verbinden. Ein QR-Code auf der Rückseite kann die Kontaktdaten als vCard enthalten. Der Empfänger scannt ihn mit der Kamera seines Smartphones und speichert den Kontakt, ohne etwas abzutippen.
Was sich geändert hat und was geblieben ist
Die Regeln sind verschwunden: Es gibt keine getrennten Formate für Damen und Herren mehr, keine vorgeschriebene Stelle für das Wappen und keinen Code aus geknickten Ecken. Geblieben ist das Prinzip. Eine kleine Karte nennt den Namen ihres Besitzers und macht es leicht, ihn wieder zu erreichen.
Quellen
- Eckart Henning, Wolfgang Tasler: La Carte. Visitenkarten von gestern und heute. Dortmund. Daraus auch die Abbildungen der historischen Karten.
- Manuela Piel: Die Geschichte der Visitenkarte. Untersuchungen zur Entwicklung vom 17. bis 21. Jahrhundert. Studienarbeit, Greifswald.
- Wikipedia: Visitenkartenporträt. Daraus auch die Abbildungen zum Visitenkartenporträt.
